Journal

Farben der Zeiten 

Es gibt Momente, in denen man einen Raum betritt und sofort spürt, dass dort eine besondere Atmosphäre herrscht. So ging es mir, als ich das Atelier der Künstlerin Dagmar Vogt betrat. 

Vor mir hingen zwölf großformatige Gemälde. Gemeinsam erzählten sie den Lauf eines Jahres – vom ersten zarten Grün des Frühlings über die leuchtende Fülle des Sommers bis hin zu den warmen Tönen des Herbstes und der stillen Klarheit des Winters. 

Noch bevor Dagmar mir etwas erklärte, wusste ich intuitiv, welche Bilder zu welcher Jahreszeit gehörten. Nicht wegen einzelner Motive. Die Bilder waren größtenteils abstrakt. Und doch erzählten ihre Farben unmissverständlich vom Frühling, Sommer, Herbst und Winter. 

Die Künstlerin Dagmar Vogt erschuf Kunstwerke mit meinen Farben. Der Besuch in ihrem Atelier hinterlässt bleibende Eindrücke

Farben sind unsere erste Erinnerung

Als Farbgestalterin beschäftige ich mich jeden Tag mit Farben. Trotzdem überraschen sie mich immer wieder. 

Wir verbinden Farben ganz selbstverständlich mit Erinnerungen und Stimmungen. Das warme Gelb eines Sommerfeldes, das zarte Rosa blühender Obstbäume oder das kühle Weiß eines Wintermorgens – oft reichen wenige Farbtöne aus, um vor unserem inneren Auge ein ganzes Bild entstehen zu lassen. 

Vielleicht liebe ich deshalb Museen, historische Häuser, Gärten und lange Spaziergänge in der Natur so sehr. Überall erzählen Farben Geschichten. Sie beeinflussen unsere Stimmung. Und wenn wir uns bewusst auf sie einlassen, schärfen sie auch unseren Blick für die kleinen Details unserer Umgebung. 

Erwachende Gärten I

Erwachende Gärten II

Erwachende Gärten III

Wenn Wandfarben zu Kunst werden

Besonders berührt hat mich an diesem Atelierbesuch noch etwas anderes. 

Dagmar Vogt ließ sich bei ihrer neuen Werkreihe von meiner Farbkollektion inspirieren. Farbtöne, die ursprünglich für Wände entwickelt wurden, fanden ihren Weg auf die Leinwand. 

Als ich vor vielen Jahren begann, Farben zu entwickeln, dachte ich daran, wie sie Räume verändern können. Dass dieselben Farbtöne nun Teil einer künstlerischen Arbeit werden und dort eine ganz eigene Sprache sprechen, ist für mich etwas ganz Besonderes. Es zeigt mir einmal mehr, dass Farben weit mehr sein können als Gestaltung. Sie transportieren Stimmungen, Erinnerungen und Emotionen. 

Ein Blick auf den Arbeitstisch

Fast genauso faszinierend wie die fertigen Bilder war für mich der Blick hinter die Kulissen. 

Zwischen Pinseln, Farbtuben und Pigmenten lagen meine Farbkarten. Daneben standen Farbpaletten, auf denen kräftige Gelb-, Rosa-, Orange- und Blautöne miteinander verschmolzen. 

Für ihre Bilder verwendete Dagmar meine Lackfarben. Um die gewünschte Struktur auf der Leinwand zu erzielen, verdickte sie die Farben leicht. Während ein Möbellack normalerweise möglichst glatt verlaufen soll, lebt ihre Malerei gerade von den sichtbaren Pinselspuren und den reliefartigen Farbschichten. 

Ob Wandfarbe oder Malerei – am Anfang steht neben der technischen Verarbeitung immer dieselbe Frage: 

Welche Farbe löst genau die Stimmung aus, die ich erzählen möchte? 

Der Sommer in Gelb – der Winter in Weiß

Das warme Goldgelb erinnerte mich sofort an Kornfelder, trockene Wiesen und das flirrende Licht eines heißen Sommertages. Erstaunlich war, dass keines der Bilder eine Landschaft im klassischen Sinn zeigte. Und doch konnte ich den Sommer beinahe spüren. 

Mindestens genauso beeindruckt haben mich die Winterbilder. In ihren zurückhaltenden Grau- und Weißtönen wirkten sie fast still. Ganz nach dem Motto „Weniger ist mehr“ entfalteten sie eine erstaunliche Kraft. Gerade weil sie auf wenige Farben reduziert waren, zogen sie den Blick besonders lange auf sich. 

Sommerleuchten III

Sommerleuchten II

Sommerleuchten I

Herbstzeit

Fallende Blätter II

Fallende Blätter I

Antarktis Träume II

Winterleuchten

Antarktis Träume I

Inspiration entsteht überall

Viele Menschen fragen mich, woher die Ideen für neue Farbtöne kommen. 

Natürlich beobachte ich Architektur und historische Gebäude. Ich sammle Stoffe, Keramiken, Postkarten und manchmal einfach besondere Momente. 

Aber mindestens genauso wichtig sind Begegnungen wie diese. 

Der Austausch mit Künstlern eröffnet oft einen völlig neuen Blick auf Farbe. Kunst erlaubt Kombinationen, die zunächst ungewöhnlich erscheinen und gerade deshalb faszinieren. 

Ich verlasse solche Ateliers jedes Mal mit neuen Ideen. Nicht, weil ich dort einen konkreten Farbton gefunden habe. Sondern weil ich Farbe wieder mit anderen Augen sehe – und mit dem Gefühl nach Hause fahre, neue kreative Energie getankt zu haben. 

Mehr als nur ein Atelierbesuch

Als ich das Atelier verließ, hatte ich nicht nur zwölf beeindruckende Gemälde gesehen. 

Ich nahm vor allem die Gewissheit mit, dass Farben weit mehr sind als ein Gestaltungsmittel. Sie wecken Erinnerungen, erzählen Geschichten und verbinden Menschen. 

Vielleicht ist genau das der Grund, warum mich Kunst immer wieder aufs Neue inspiriert – und warum ich bis heute mit derselben Begeisterung neue Farbtöne entwickle wie vor vielen Jahren. 

Besuchen Sie Dagmar Vogt

Wenn Sie Gelegenheit haben, Werke von Dagmar Vogt zu sehen, kann ich Ihnen einen Besuch nur empfehlen.  

Sollte ein Besuch ihres Ateliers in Herdecke einmal nicht möglich sein, lohnt sich genauso der Besuch eines Museums oder einer Galerie in Ihrer Nähe. Sich bewusst Zeit für Kunst zu nehmen, schärft den Blick für Farben, Proportionen und Stimmungen – und manchmal nimmt man dabei genau die Inspiration mit nach Hause, die einem im Alltag gefehlt hat.  

Dagmar Dörken Vogt
Ruhrstraße 6
58313 Herdecke

 

 

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