Wohnzimmer Regal Königin von Saba und Der junge Baron

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Farbe planen, bevor es stressig wird

Farben für das eigene Zuhause auszusuchen, sollte eigentlich Spaß machen. Warum also wird ausgerechnet die Farbgestaltung während einer Sanierung oder Renovierung so schnell zur Herausforderung?

2025 habe ich gemeinsam mit meinem Mann unser eigenes Haus saniert. Dabei habe ich gemerkt: Selbst wenn man sich jeden Tag beruflich mit Farben beschäftigt, ist ein Farbkonzept für das eigene Zuhause etwas ganz anderes. Und ich habe einiges gelernt, was ich heute bei jeder Sanierung anders machen würde.

Esszimmer vor der Neugestaltung
Wohnzimmer während der Sanierung

Wann sollte man sich mit der Farbgestaltung beschäftigen?

Noch bevor wir uns entschieden hatten, das Haus zu kaufen, habe ich darüber nachgedacht, wie die einzelnen Räume später einmal wirken könnten. Denn ein gutes Farbkonzept muss nicht nur zu den Menschen passen, die in einem Haus leben. Auch Architektur, Lichtverhältnisse, Fußböden, Fliesen, Fensterbänke und andere Materialien haben großen Einfluss darauf, welche Farben am Ende funktionieren.

In unser 50er-Jahre-Haus hatte ich mich schon beim Anblick der Immobilienanzeige verliebt. Als wir im August 2025 die Schlüssel bekamen, bin ich deshalb ziemlich schnell mit den ersten Farbmustern durch die Räume gegangen. Alles war noch unrenoviert und die Handwerker hatten noch nicht begonnen. Alte Tapeten und dunkle Holztüren musste man sich zwar wegdenken – trotzdem waren die Bedingungen ideal, um ein erstes Gefühl für Licht, Räume und Farben zu bekommen.

Mein Mann fand das zu diesem Zeitpunkt ziemlich übertrieben. Die Farben kämen schließlich ganz zum Schluss. Erst einmal müssten wir uns um Elektrik, Sanitär und Fliesen kümmern. Grundsätzlich hatte er natürlich recht. Als ich einige Wochen später ernsthaft mit dem Farbkonzept beginnen wollte, sah die Welt allerdings ganz anders aus: Die Böden waren abgedeckt, die Fenster mit Folie beklebt und die Räume wurden von Baustrahlern beleuchtet. Tageslicht, Materialien und die eigentliche Atmosphäre der Räume waren kaum noch wahrnehmbar. Selbst für mich war es unter diesen Bedingungen erstaunlich schwierig, Farben sicher zu beurteilen.

Bei abgedecktem Boden, Folie an den Fenstern und Baustrahler Beleuchtung kann man kaum Farben aussuchen.

Mein Tipp

Gehen Sie möglichst früh mit ersten Ideen und Farbmustern durch die Räume – idealerweise bevor Böden, Fenster und andere prägende Materialien während der Bauarbeiten verdeckt werden. Dann ist es häufig zu spät, diese Entscheidungen noch einmal zu ändern. Deshalb lohnt es sich, Wandfarben nicht als letzten dekorativen Schritt einer Sanierung zu betrachten. Sie sind ein Teil des gesamten Gestaltungskonzepts und sollten entsprechend früh mitgedacht werden.

Beziehen Sie die Wandfarben möglichst früh in die Auswahl von Böden, Fliesen, Küchenfronten und anderen festen Materialien ein. So entsteht Schritt für Schritt ein Gesamtbild – und bereits getroffene Entscheidungen geraten später weniger ins Wanken.

Küchenwände und Decke in Carmelia 142
Küchenwände & Decke in Carmelia 142

Hier sind Küchenboden, dunkelgrüne Küchenfront und verschiedene Weißtöne im Test. Muster für Wandfarben sollte man immer senkrecht anhalten.

Ein Farbkonzept muss zu allen Bewohnern passen

Bei uns waren einige Materialien bereits vorgegeben: SolnhofenerPlatten im Eingangsbereich und helle, leicht braunstichige Marmorfensterbänke. Für mich war deshalb schnell klar, dass unser Farbkonzept nicht zu bunt werden sollte. Die Farben sollten sich selbstverständlich in die natürlichen Töne dieser Materialien einfügen.Auch die großen Fensterfronten mit Blick ins Grüne bestärkten mich zunächst darin, überwiegend dezente Farben zu wählen.

Als ich meinem Mann schließlich stolz mein fertiges Konzept präsentierte, war seine Reaktion allerdings ernüchternd: Er fände alles schön – aber viel zu langweilig. Schließlich würde ich Farbe verkaufen. Das dürfe man in unserem eigenen Haus ruhig sehen. Und er hatte einen Punkt. So kamen einige der kräftigeren Farben ins Haus: unser Esszimmer in Königin von Saba, das Gäste-WC in Der junge Baron und schließlich auch das dunkelblaue Regal in Krabat im Wohnzimmer. Heute bin ich sehr froh darüber.

 

Mein Tipp

Ein Farbkonzept sollte nicht nur architektonisch funktionieren, sondern auch die Menschen widerspiegeln, die in einem Haus leben. Gerade wenn mehrere Personen entscheiden, lohnt es sich deshalb, früh über Wünsche, Lieblingsfarben und auch unterschiedliche Vorstellungen zu sprechen.

Ursprünglich wollte ich dezente Wände und bunte Möbel. Das gefiel meinem Mann nicht. Jetzt bin ich sehr froh über unser farbenfrohes Esszimmer.

Regal in Die Königin von Saba & Der junge Baron
Regal in Die Königin von Saba & Krabat

 

Blick vom Esszimmer ins Wohnzimmer. Der Farbton Königin von Saba im Esszimmer wiederholt sich im angestrichenen Regal. Gestrichen wurde es in Krabat 146 (Korpus) & Die Königin von Saba 351 (Rückwand).

 

Mein Tipp

Alte, hässliche Einbauten können zu neuem Leben erweckt werden. Dieses Regal wurde in Krabat und Königin von Saba gestrichen.

Regal in Die Königin von Saba und Der junge Baron
Regal in Die Königin von Saba & Krabat

Mit dem Farbkonzept allein ist es nicht getan

Als endlich alle Farbtöne feststanden, kam die nächste Überraschung: Die Maler brauchten die Farben – und zwar möglichst schnell. Plötzlich standen ganz praktische Fragen im Raum: Wie viel Farbe benötigen wir eigentlich? Welche Qualität soll in welchen Raum? Und wann muss alles auf der Baustelle sein?

Unsere vorhandenen Pläne halfen mir bei der Mengenermittlung nur bedingt. Also begann ich, hochschwanger Wandflächen auszumessen und Quadratmeter zu berechnen. Für unser Haus war für mich schnell klar, dass ich aufgrund unserer vier kleinen Kinder und der mit Gips verputzten Wände überwiegend unsere strapazierfähige Resistfarbe einsetzen wollte. Für die Decken wählte ich Kreidefarbe, Türen, Fußleisten und Einbauregale sollten mit Satinlack gestrichen werden. Diese Entscheidungen hätte ich allerdings deutlich früher treffen können.

Mein Tipp

Klären Sie Farbqualität, Flächen, benötigte Mengen und Lieferzeiten nicht erst unmittelbar vor Beginn der Malerarbeiten. Gerade bei einem ganzen Haus lohnt es sich, diese Punkte rechtzeitig gemeinsam mit dem Maler oder Farbberater durchzugehen.

Übersicht Farbqualitäten

Im Shop gibt es eine kleine Übersicht zu den unterschiedlichen Farbqualitäten. 

Verwendete Farben & Qualitäten

In unserem Haus habe ich folgende Qualitäten verwendet:

Anna von Mangoldt Tiefengrund
01

Grundierung

Alle Wand- und Deckenflächen wurden frisch verputzt und anschließend mit Tiefengrund grundiert.

Anna von Mangoldt Resistfarbe
04

Wandflächen

Alle Wandflächen sind mit Resistfarbe in unterschiedlichen Farbtönen gestrichen.

Farbmengenrechner

Nachdem ich selbst fast verzweifelt bin, die Mengen auszurechnen, gibt es jetzt endlich einen Farbmengenrechner in unseren Online-Shop. Damit ist das Berechnen sehr einfach geworden..

Ich habe damals die gesamte Farbe auf einmal bestellt und per Palette liefern lassen. Der Grund lag darin, dass ich den Handwerkern größtmögliche Flexibilität geben wollte selbst zu entscheiden, wann welcher Raum oder welche Türe gestrichen wird. Außerdem wollte ich nicht mehrmals auf die Spedition warten. Natürlich kann man sich auch kleinere Sendungen per Paketdienst schicken lassen. Die Farben halten originalverpackt ein bis zwei Jahre. Deshalb habe ich sie auf der Baustelle gelagert.

Und wenn man sich einfach nicht entscheiden kann?

Farben für das eigene Haus auszuwählen, war selbst für mich als Farbdesignerin eine Herausforderung. Umso besser kann ich verstehen, wie schwierig die Entscheidung sein kann, wenn man sich sonst nur selten mit Farben beschäftigt.

Und manchmal liegt die Schwierigkeit gar nicht darin, keinen schönen Farbton zu finden. Viel schwieriger ist es, aus vielen schönen Möglichkeiten diejenigen auszuwählen, die miteinander, mit dem Haus und mit seinen Bewohnern funktionieren.

Genau dafür gibt es professionelle Farbberatung. Wir bieten selbst Farbberatungen an und arbeiten deutschlandweit mit Händlern und Farbberaterinnen und Farbberatern zusammen, die Farbkonzepte vor Ort oder teilweise auch per Video entwickeln.

Ein professioneller Blick von außen kann helfen, Entscheidungen zu vereinfachen und aus vielen einzelnen Ideen ein stimmiges Ganzes entstehen zu lassen.

 

Noch unsicher bei der Farbwahl?

Unsere Farbberater unterstützen Sie dabei, die passenden Farbtöne und Kombinationen für Ihre Räume zu finden..

Warum nicht erst einmal alles Weiß streichen?

Der Gedanke ist verständlich: Erst einmal alles weiß oder in einem hellen neutralen Ton streichen – und später in Ruhe entscheiden.

Natürlich können weiße, hellgraue oder beige Räume wunderschön sein, wenn diese Reduktion bewusst gewählt wurde und zum Haus, zum Licht und zur Einrichtung passt.

Häufig erlebe ich jedoch, dass Weiß während einer Sanierung eher aus Unsicherheit gewählt wird. Dann kann ein Raum trotz schöner Möbel und Materialien unfertig wirken. Besonders ein kühles Weiß erzeugt mitunter einen starken Kontrast zur Einrichtung und kann in Räumen mit wenig oder ungünstigem Tageslicht schnell gräulich wirken.

Ein sorgfältig ausgewählter Farbton reagiert dagegen auf die vorhandenen Lichtverhältnisse, verbindet Materialien und Möbel miteinander und kann einem Raum schon vor der eigentlichen Einrichtung eine Atmosphäre geben.

Hinzu kommt ein ganz praktischer Punkt: Wer zunächst das gesamte Haus weiß streicht und später Raum für Raum wieder verändert, hat am Ende mehr Arbeit – und häufig auch höhere Kosten.

 

Wohnzimmer vorher
Vorher
Wohnzimmer mit Glambecksee
Nachher: Glambecksee 351
Küche vorher
Vorher
Küche mit Annabell 068
Nachher: Annabell 068
Vorher
Vorher
Raum mit Meryl 233
Nachher: Meryl 233
Flur vorher
Vorher
Flur mit Giovanni 029 und Bianca 001
Nachher: Giovanni 029 & Bianca 001
Wohnzimmer vorher
Vorher
Wohnzimmer mit Avena 076
Nachher: Avena 076
Wohnzimmer mit Avena 076
Nachher: Avena 076

Was ich aus unserer Sanierung gelernt habe

Wer in einem Zuhause leben möchte, dessen Farben wirklich miteinander harmonieren, sollte die Farbgestaltung nicht bis zum Schluss aufschieben. Es lohnt sich, früh mit Farbmustern durch die Räume zu gehen, Wandfarben gemeinsam mit Böden, Fliesen und anderen Materialien zu betrachten und auch praktische Fragen wie Farbqualität, Mengen und Lieferzeiten rechtzeitig zu klären. Und man sollte sich erlauben, seine Meinung noch einmal zu ändern.

 

Denn ein gutes Farbkonzept entsteht nicht dadurch, dass jede Entscheidung sofort richtig ist. Es entsteht, wenn Architektur, Materialien, Licht und die Menschen, die in einem Haus leben, am Ende zusammenpassen. Dann macht nicht nur das Entwickeln eines Farbkonzepts Freude, sondern vor allem das tägliche Leben mit den Farben.